Wie heute in einem Artikel auf tagesschau.de zu lesen ist, hat die Lufthansa anscheinend interne Fluggastdaten verwendet, um einem internen Informanten auf die Schliche zu kommen. Ausgerwertet wurden dazu die Passagierdaten eines Journalisten der »Financial Times Deutschland«.
Ähnlich wie dem zur Zeit in der Presse breitgetretenen Telekom-Skandal um die rechtswidrige Auswertung von Telefon-Verbindungsdaten hat die Lufthansa ihre internen Datenbanken über Flugpassagiere genutzt, um Nachforschungen anzustellen.
Ehrlich gesagt musste ich beim Lesen dieser Aufdeckung schmunzeln. Erstens, weil ich mir ziemlich sicher bin, dass die Lufthansa über mich keine solchen Daten besitzt, zum anderen weil plötzlich alle “Welt” sich über etwas aufregt, was unsere Regierung im großen Stil für sämtliche Kommunikations- und Flugdaten deutscher Bürger geplant, beschlossen und in Gesetze gegossen hat. Nur das sich letztes Jahr irgendwie niemand wirklich über die Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung aufgeregt hat — bzw. nur wenige. Das Daten, die für lange Zeiträume gespeichert werden, “Begehrlichkeiten” nach Auswetung wecken und dass diese Daten immer irgendwann missbraucht werden — daran wollte niemand glauben.
So gesehen finde ich die Enthüllungen im Hause Telekom und Lufthansa gerade sehr “amüsant”. Diese beiden Konzerne haben schon vor Jahren genau das getan, vor dem Datenschützer seit Monaten im Zusammenhang mit den neuen Gesetzen Sturm laufen, um an lern- und merkbefreiten Politikern zu scheitern. Oder an Innenministern, die sich nichts sehnlicher wünschen, als einen Überwachungsstaat. Ich hoffe, dass in noch mehr großen Firmen solche Skandale aufgedeckt werden und die Bevölkerung dieses Landes aufwacht und merkt, was hier momentan von staatlicher Seite an Gesetzen beschlossen wird.
Besonders interessant ist die ganze Lufthansa-Geschichte auch noch in dem Zusammenhang, dass die EU darüber diskutiert, wie man Systeme aufbauen kann, mit denen international einfach Fluggastdaten getauscht werden können. Die Übermittlung von Flugpassagierdaten in die USA ist ja schon in vollem Gange. Wer weiß, was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit diesen Daten über deutsche Reisende passiert? Die Begehrlichkeiten nach Auswertung sind dort sicher auch vorhanden — man denke nur an Wirtschaftsspionage etc.
Mir wird bei dem Gedanken, wie heutzutage mit persönlichen Daten von Bürgern aus rechtsstaatlichen Demokratien umgegangen wird, schlecht. In meinen Augen hat der Terrorismus, der ja (unter anderem) mit diesen Mitteln bekämpft werden soll, schon lange sein Ziel erreicht. Einschränkung von Rechten und Freiheiten in der “westlichen Welt”.
Für meinen Geschmack wird die Terrorgefahr hier für die Umsetzung von Träumen der Überwachungsvernatiker vorgschoben… Und so lange man weiter Angst schürt in den eigenen Reihen wird gerne mal auf das ein oder andere Recht verzichtet — wir sind ja jetzt alle vor Terror und Anschlägen sicher…
Weitere Informationen zur “Telekom-Spitzelaffäre” finden sich in einem Dossier auf tagesschau.de: Die Spitzel-Affäre der Telekom
Zum Thema Fluggastedaten gibt es auf heise.de einige Artikel: heise online — Fluggastdaten
»Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.« — Marie Curie